artibeau : kunst in bochum - umsonst und draußen

O.I.C. („Oh, I see“) (1999/2012)

Position in Karte zeigen (Neues Fenster).

Richard Serra (*1939)
1999/2012
Stahl

Die Installation O.I.C. („Oh, I see“) wurde zuerst im Rahmen der Ausstellung Mostra di sculture in Rom gezeigt. Sie besteht aus zwei kubischen Stahlblöcken mit identischen Maßen (je 80 x 96 x 112 cm), die in einer Achse aufgestellt, aber zueinander so gedreht sind, dass sie wie zwei ganz verschiedene Körper wirken. Das Werk wurde der Situation Kunst als Dauerleihgabe aus privatem Besitz übergeben.

Im Innenraum der gerade frisch restaurierten Ruine der Sylvesterkapelle im Schlosspark Haus Weitmar stehen die beiden Stahlkuben auf der Längsachse des Kirchenschiffs. Die Kapelle stammt aus dem 14. bis 15. Jh. und ist aus Natursteinen gemauert. So sind die beiden auf der ehemaligen Henrichshütte im benachbarten Hattingen aus Cortenstahl geschmiedeten Kuben die einzigen rechtwinkligen Objekte im Raum. Eine zusätzliche Irritation ergibt sich aus der Tatsache, dass die Oberflächen der Stahlkuben wegen des schiefen Natursteinbodens der Ruine nicht parallel zueinander stehen.

Die beiden Stahlblöcke wiegen je sieben Tonnen. Die unübersehbare Massivität der technischen Objekte aus scheinbar unvergänglichem Stahl bildet einen irritierenden Kontrast zu dem von Natursteinen begrenzten offenen Raum der Kapelle, die einst selbst Ewigkeit symbolisierte.

Richard Serras Plastiken erzeugen Irritationen, Brüche mit Sehgewohnheiten. Seine Skulpturen führen zu verunsichernden Seherfahrungen.

Auf den zweiten Blick zeigt sich selbst im kalten Stahl inmitten der Ruine die Parallele zum Leben. Zu Tod und Vergänglichkeit.
(RuhrNachrichten)

Auch wenn Richards Serras karge Kunst auf den ersten Blick spröde erscheint, so wird man sich bei aufmerksamer Betrachtung der faszinierenden Wechselwirkung zwischen Kunst und Kapelle, Neu und Alt, Stahl und Stein, Technik und Ruine schwerlich entziehen können.
(WAZ)

Standort:
Sylvesterkapelle im Schlosspark Haus Weitmar
Hattinger Straße / Wasserstraße
44795 Bochum

Siehe auch:
Elevational Circles In and Out
Terminal

Die Kunstwerke im Schlosspark Haus Weitmar:
Richard Serra, Elevational Circles: In and Out (1972/1977)
Giuseppe Spagnulo, Ferro spezzato - Diagonale (1974)
Giuseppe Spagnulo, Ferro spezzato - Grande Curva (1974)
Giuseppe Spagnulo, Ferro spezzato - Diagonale-Verticale (1974)
Erich Reusch, ohne Titel (Winkel) (1977)
Ulrich Rückriem, Dolomit geschnitten (1977)
Erich Reusch, Plastik Frankfurt (1978)
Ulrich Rückriem, Dolomit gespalten (1978)
Lee Ufan, Relatum with Four Stones and Four Irons (1978)
David Rabinowitch, Metrical(Romanesque) Construction in 5 Masses and 2 Scales VIII (1979)
Lee Ufan, Relatum - Holzwege I (2000)
Lee Ufan, Relatum - Holzwege II (2000)
Giuseppe Spagnulo, Ferro spezzato - Blocco (2005)
François Morellet, concrete erection, La Plate-bande n° 2 (2010)
Richard Serra, O.I.C (1999/2012)
Erich Reusch, ohne Titel (MuT) (2015)

Nachlesen:
Wikipedia: Richard Serra
Wikipedia: Haus Weitmar
RuhrNachrichten: Ewigkeit in Ruinen
WAZ: Serra-Kunst zieht in die Sylvester-Kapelle ein
Wikipedia: Galerie m Bochum und Situation Kunst
m-bochum: Skulpturen im Schlosspark Haus Weitmar
virtuelles museum moderne nrw: Richard Serra
Welt der Form: Richard Serra

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Chronologie 1973-2012

1973  Die letzte Zeche in Bochum wird stillgelegt (Hannover/Hannibal)

1973  Die erste Ölkrise gipfelt in Sonntagsfahrverboten.

1973  Es gibt einen Anwerbestopp für Gastarbeiter außerhalb der EG.

1974  Erste S-Bahnen fahren im Revier (S1, S3)

1976  Erste Tempo-30 Zone in Bochum auf Betreiben einer Bürgerinitiative.

1977  Terminal von Richard Serra auf der documenta 6 in Kassel. Von Bochum gekauft, 1979 aufgestellt.

1979  Ruhrstadion (Rewirpower-Stadion) eröffnet.

1979  Claus Peymann wird als Nachfolger von Peter Zadek für sieben Jahre Intendant in Bochum.

1980  Der Kemnader Stausee wird freigegeben.

1980  Der RVR veranstaltet den ersten „Tag des Radfahrens“ im Revier.

1983  Hausbesetzungen im Heusnerviertel gegen den Abriss für den Außenring.

1984  Das Album „4630 Bochum“ macht Herbert Grönemeyer (und Bochum) zum Star.

1986  Erstmals „Bochum Total“. Das Festival entwickelt sich zum größten kostenlosen Rock-Pop-Festival in Europa.

1988  Starlight Express startet in Bochum.

1989  Die U35 zwischen Herne und Bochum Hbf ist fertig. Länge: 10 km. Bauzeit: 20 Jahre. Kosten: 800 Mio. DM.

1993  Die „Unabsteigbaren“ vom Vfl Bochum müssen erstmals in die Zweite Liga. Der Vfl wird zur „Fahrstuhlmannschaft“.

1995  Das Deponie-Block-Heizkraftwerk an der Zentraldeponie Kornharpen geht ans Netz .

1999  Nach dreiundvierzig Jahren verliert die SPD in Bochum die absolute Mehrheit. Bochum wird rot-grün.

2002  RuhrCongress Bochum mit Renaissance Bochum Hotel fertiggestellt.

2002  Erste Ruhrtriennale (2002-2004) unter Gründungsintendant Gerard Mortier.

2003  Eröffnung der revitalisierten Jahrhunderthalle Bochum, ein Stück „Transformationsarchitektur“.

2004  Bochum ist seit 100 Jahren Großstadt.

2007  Einweihung der neuen Synagoge.

2008  Im Januar wird die Schließung des Nokia-Werks Bochum bekannt gegeben, es wird im Mai geschlossen.

2009  Opel steht auf der Kippe. 1500 von 6000 Arbeitsplätzen in Gefahr.

2010  Das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt Europas.

2011  Die Stadt Bochum reißt ihre einzige Hajek-Plastik ab.

2011  Altmetalldiebe stehlen in Duisburg und Mülheim tonnenschwere Skulpturen.

2011-2015  50 Jahre Ruhr-Universität Bochum: Vier Jahre vergingen vom Gründungsbeschluss 1961 bis zur offiziellen Eröffnung 1965.

2012  Im Oktober feiert Bochum das 50-jährige bestehen des Opel-Werks. Am 10. Dezember verkündet Opel-Chef Sedran das Aus für die Autoproduktion.

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